Glasmuseum Frauenau im Bayerischen Wald

Glasmacherdorf Frauenau und die Arche aus Glas

Glasmacherdorf Frauenau und die Arche aus Glas

Glasmuseum Frauenau im Bayerischen Wald

Die kleine Gemeinde Frauenau ist ein beliebter Wallfahrtsort, der am Rand des Nationalparks im Bayerischen Wald liegt. MyHolidaySearch hat hier ein ganz besonders interessantes Ausflugsziel entdeckt – das Glasmuseum Frauenau.

Bis in die 1990er Jahre hinein galt Glas als das Gold des Bayerischen Waldes. Schon im ausgehenden Mittelalter und der beginnenden Neuzeit hatten sich in der Region zahlreiche Glashütten angesiedelt. Der Grund: Die für die Glasherstellung notwendigen Rohstoffe wie Holz und Quarz waren in der ganzen Region präsent und die Arbeitskräfte vergleichsweise billig. Während des 20. Jahrhunderts wurden die Glashütten sogar die wichtigsten Arbeitgeber der Region. Jedoch ist die goldene Ära der Glasherstellung im Bayerischen Wald mittlerweile längst vorüber. Dieser Zeit setzt das Glasmuseum Frauenau, welches seit 2014 unter der Regie des Freistaates Bayern als „Staatliches Museum zur Geschichte der Glaskultur“ geführt wird, jedoch ein Denkmal.

So ist das Glasmuseum Frauenau entstanden

Dass im alten Glasmacherort Frauenau 1975 ein Glasmuseum errichtet wurde, ist drei Personen zu verdanken: Die Idee dazu stammte von Erwin Eisch, der in den 1960er Jahren zusammen mit Harvey Littleton die internationale Studioglasbewegung begründete. Eisch hatte sich auf internationaler Ebene dadurch einen Namen gemacht, dass er Glasobjekte schuf, welche nicht den traditionellen Vorstellungen von guter Form und Funktionalität entsprachen. Diese Idee stieß beim damaligen Bürgermeister Alfons Hannes, der selbst dem Glasarbeitermilieu entstammte und dieses liebte, auf fruchtbaren Boden. Der dritte im Bunde war schließlich der damalige Hüttenmeister Helmut Schneck.

Von Anfang an wurde im Glasmuseum Frauenau nicht nur die regionale, sondern auch die internationale Glasmachertradition präsentiert. Des Weiteren wurden regelmäßig Sonderausstellungen präsentiert und Symposien veranstaltet, sodass sich das Glasmuseum Frauenau rasch zu einem Treffpunkt für Glaskünstler aus aller Welt und an Glaskunst interessiertes Publikum entwickelte. Eröffnet wurde das Glasmuseum Frauenau am 6. Mai 1975 schließlich gleich mit einem Paukenschlag: Die Sonderausstellung „Venini-Murano“ gab deutschlandweit erstmals einen umfassenden Einblick in die Entstehungsgeschichte der italienischen Glasmanufaktur.

Alfons Hannes und Erwin Eisch bauten in den folgenden Jahren die Sammlung des Glasmuseums Frauenau konsequent auf, indem örtliche Bestände aufgekauft und Schenkungen sowie Dauerleihgaben entgegen genommen wurden. Am bedeutendsten gilt in diesem Zusammenhang die Schenkung der Sammlung Wolfgang Kermer, in welcher die Anfänge der amerikanischen und europäischen Studioglasbewegung umfassend dokumentiert werden.

Ende der 1990er Jahre wurde für das Glasmuseum Frauenau ein Neubau errichtet, der am 10. Juni 2005 eingeweiht wurde. Die Besucher erwartet hier neben Sammlungen auch eine ethnografisch-künstlerische Dauerausstellung auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern sowie ein großer Bereich für Wechselausstellungen. Das Konzept für die Ausstellung wurde von Museumsleiterin Karin Rühl sowie Jörg Haller in Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro und 21 Glaskünstlern, Betrieben und Fachleuten erarbeitet.

Die Ausstellung im Glasmuseum Frauenau

In der Dauerausstellung werden neben Schnupftabakgläsern aus dem Bayerischen Wald auch Schmuck, Hinterglasbilder sowie verschiedene Spezialbestände aus dem Depot gezeigt. Schnupftabakgläser deshalb, weil dieser einst ein unverzichtbares Genussmittel in der Region war. Die passionierten Schnupfer bewahrten ihren Schnupftabak in flachen, kleinen Fläschchen auf, die aus Glas hergestellt wurden. Neben einfachen Gläsern, die täglich genutzt wurden, gab es auch sogenannte Feiertagsgläser, die kunstvoll verziert waren und lediglich an besonderen Festtagen zum Einsatz kamen. Auch wenn es sich dabei lediglich um kleine Gegenstände handelt, so lassen sich auf ihnen doch alle Techniken der Glasherstellung und -veredelung darauf finden. In den vergangenen Jahren wurden die Schnupftabakgläser zu begehrten Sammlerobjekten. Die wohl weltgrößte Sammlung ist die Sammlung der Schäfer-Stiftung, die teilweise im Glasmuseum Frauenau präsentiert wird.

Der Nachlass von Franz Josef Ginzel besteht aus historischem Glasschmuck aus den 1920er und 1930er Jahren, der in Gablonz hergestellt wurde. Diese Sammlung gilt in Fachkreisen als äußerst außergewöhnlich und qualitativ hochwertig.

Mit der Sammlung Udo Dammert präsentiert das Glasmuseum Frauenau Hinterglasmalerei von Spanien bis China. Die Hinterglasmalerei war ursprünglich in Bayern beliebt und breitete sich schließlich von hier ausgehend über ganz Europa aus. Als wichtige Zentren galten ab dem 18. Jahrhundert Böhmen, Österreich, Süditalien, Spanien, Rumänien und Schlesien. Die asiatische Hinterglasmalerei, die in Indonesien, China, Japan, Indien und Persien – von europäischen Einflüssen geprägt – gepflegt wurde, ist hingegen weniger bekannt. Im Glasmuseum Frauenau wird ein kleiner Querschnitt aus der Sammlung gezeigt, während sich der Hauptteil im Schlossmuseum Murnau befindet.

Ein Angebot für Schulklassen und Gruppen

Weil es zur Philosophie des Glasmuseums Frauenau gehört, ein außerschulischer Lernort zu sein, bietet das Haus verschiedene museumspädagogische Angebote für Gruppen und Schulklassen an. Das Spektrum dieser thematischen Führungen reicht von der Glasherstellung an sich über Design und Kunst bis hin zur sozialgeschichtlichen Bedeutung des Glases. Begleitend zu diesen Führungen gibt es außerdem ein kreatives Programm in der Museumswerkstatt, wo jeder einen Gegenstand aus Glas selbst gestalten kann.

Die Gläsernen Gärten

Ganz in der Nähe des Glasmuseums Frauenau haben die Besucher die Gelegenheit, in den Gläsernen Gärten, Natur und Kultur in Kombination zu erleben. Hier sind auf einer Fläche von insgesamt acht Hektar 27 Glasobjekte diverser Glaskünstler direkt im Freien aufgestellt. An 30 Audiostationen erfahren die Besucher Wissenswertes zu den Objekten und den Künstlern, die sie geschaffen haben. Über die Tourist-Info Frauenau, die ebenfalls im Glasmuseum untergebracht ist, können aber auch geführte Touren durch die Gläsernen Gärten gebucht werden. Diese dauern etwa eineinhalb Stunden.