Diskussion auf der Reisemesse ITB: Wie sicher ist ein Urlaub in der Türkei?

Viele Reisende fragen sich, ob ein Urlaub in der Türkei noch sicher ist.

Diskussion auf der Reisemesse ITB: Wie sicher ist ein Urlaub in der Türkei?

Viele stellen sich die Frage, ob ein Urlaub in der Türkei sicher ist. MyHolidaySearch ist dieser Frage nachgegangen und hat sich auch auf der Reisemesse ITB umgesehen, auf der heiß über dieses Thema diskutiert wurde.

Die Marktforscher der GfK haben festgestellt, dass die Buchungen für Türkei-Urlaube um 60 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Nicht nur die Sicherheitsbedenken spielen bei Zielauswahl eine Rolle, sondern auch die Moral und Weltanschauung. Zum Messeauftakt der ITB sorgte die Äußerung von Karl Born, dem früheren TUI-Vorstand, für ordentlich Gesprächsstoff. Born sagte, dass die Türkei aktuell nicht sein bevorzugtes Urlaubszielgebiet sei und dass er das letzte Mal so demonstrativ gegen den Urlaub in einem Land gewesen sei zu Zeiten der Apartheid-Politik in Südafrika.

In der Öffentlichkeit präsentierte sich die Reisebranche auf der ITB als Sonnenland und vermittelte den Eindruck, dass in der Türkei ruhig Urlaub gemacht werden könnte, denn schließlich würden auch Regierende wie Angela Merkel zu Staatsbesuchen dort hinreisen. Den Grundsatz, dass man nicht moralischer sein müsse als die Bundeskanzlerin stellte Born jedoch in Frage. So erklärte er, dass in keinem anderen Land die „Schussfahrt von der Fast-Demokratie in die Diktatur“ so schnell gehe wie in der Türkei. Weiter warnte Born, dass er deutschen Urlaubern zu höchster Vorsicht rate, denn was außerhalb der Hotelanlagen passieren könne, sei unberechenbar.

Während Born die Reisebranche politischer machen möchte, verhielten sich andere Reiseanbieter zurückhaltend und erklärten, dass Urlauber von ihnen die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes zu den Zielgebieten gegeben werden. Dieses rät Urlaubern zu besonderer Vorsicht und Wachsamkeit. Zudem werden Urlauber aufgefordert, sich über die Lageentwicklung in der Türkei zu informieren und Kontakt mit ihren Reiseveranstaltern zu halten.

In der Reisebranche herrscht noch Hoffnung. Das Last-Minute-Geschäft hatte im Vorjahr die Rückschläge der Türkei aufgefangen. DER Touristik erklärte, dass man davon ausgehe, dass die Nachfrage im Laufe des Jahres wieder steigen werde, wenn es in den anderen beliebten Reiseländern voller wird. Mit einer leichten Erholung rechnet auch TUI und erklärt, dass Urlauber ihren Vorlieben folgen sollten. Man werde Kunden bestmöglich informieren, damit eine Entscheidung auf der Grundlage der eigenen Vorlieben und Fakten getroffen werden könne. DER Touristik sagte hingegen, dass jeder Urlauber seine eigene Entscheidung treffen müsse, ob er in die Türkei oder in ein anderes Land reisen möchte.

Aktuelle Reisewarnungen

Das Auswärtige Amt empfiehlt, dass jeder Urlauber stets ein gültiges Ausweisdokument mit sich führen sollte. Vor Reisen in den südöstlichen Teil der Türkei, vor allem in die Provinzen, die an Syrien und den Irak grenzen, wird abgeraten. Ein erhöhtes Anschlagsrisiko gilt für die folgenden Provinzen:

  • Hatay, Gaziantep, Kilis, Sanliurfa, Diyarbakır, Mardin, Batman, Mus, Tunceli, Bitlis, Bingöl, Siirt, Van, Sirnak, Hakkari, Cizre, Diyarbakır, Mardin, Silopi und Nusaybin

In den deutschen Medien wurde über die Anschläge in Ankara, Istanbul, Izmir, Bursa und Gaziantep berichtet, die vom IS und der PKK verübt wurden. Nur selten schaffen es die PKK-Anschläge im Osten von Anatolien in die Medien, die sich gegen die türkische Polizei und das Militär richten. Bisher gab es in den Badeorten, wie zum Beispiel an der türkischen Riviera und den türkischen Ägäis, keinen Anschlag, jedoch spricht das Auswärtige Amt von einer grundsätzlichen Gefährdung für die gesamte Türkei. Eine Reisewarnung wurde aber bisher nicht ausgesprochen.

In Istanbul kam es zu mehreren Anschlägen in den letzten Monaten von unterschiedlichen Terrororganisationen. Hinzu kam der Putschversuch des türkischen Militärs, bei dem es zu blutigen Kämpfen zwischen Militär, Polizei und Zivilisten kam. Diese Gefechte konzentrierten sich auf die Innenstadt, den Taksim Platz, die Bosporus-Brücke und den Atatürk-Flughafen. Auch hier hat das Auswärtige Amt keine Reisewarnung ausgesprochen.

In Ankara gab es ebenfalls Gefechte zwischen Militär und Polizei während des Putschversuchs. Davor gab es bereits mehrere Anschläge. Für beide Städte Istanbul und Ankara rät das Auswärtige Amt, sich auf keinen Fall an Wahlkampfveranstaltungen, Demonstrationen oder großen Menschenansammlungen zu beteiligen. Öffentliche Verkehrsmittel sollten nicht genutzt werden und auch die Nähe zu Einrichtungen des Militärs und Polizei sollten gemieden werden.

Am 16. April 2017 findet in der Türkei die Abstimmung zur Einführung des Präsidialsystems statt. Auch hier rät das Auswärtige Amt davon ab, sich an Demonstrationen oder Wahlveranstaltungen zu beteiligen. Diese finden in Städten wie Ankara, Izmir, Istanbul, Adana, Antalya, Bursa, Mardin und Gaziantep statt. Hingegen ist in den Badeorten an der südlichen Küste nicht mit großen Veranstaltungen und Demonstrationen zu rechnen.